Glocke for Friends

Flüchtlingscafé im Jugendtreff Glocke in Nordhorn

Es geht alles sehr schnell. Die Stühle und Tische werden beiseite geräumt. Acht junge Männer fassen sich bei den Schultern und beginnen zu tanzen. Alle anderen klatschen zur Musik in die Hände. Für einen kurzen Moment fühlt man sich wie auf einem orientalischen Fest. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Die Frauen und Männer kommen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan. Oder aus Ruanda, Eritrea und der Elfenbeinküste. Sie alle haben in Deutschland Zuflucht gesucht, vor Krieg, politischer Verfolgung und wirtschaftlicher Not.

Seit April lädt die reformierte Kirchengemeinde Nordhorn sie in die Glocke des reformierten Gemeindehauses am Markt ein. Jeden Dienstag und Donnerstagsnachmittag heißt es „Glocke for Friends“. Es gibt Kaffee und Tee. Den selbstgebackenen Kuchen steuern die Frauen aus der Gemeinde bei. Die sind an diesen Nachmittag natürlich auch mit dabei. Sie sorgen aber nicht nur für das leibliche Wohl. Es wird gemeinsam geredet und gelacht. Mal stehen sie vor, manchmal hinter der kleinen Theke.

Mittendrin steht Heiko Bergmann. Er ist der ehrenamtliche Leiter des Flüchtlingscafés. Er ist für alle der Ansprechpartner und kümmert sich um jedes Problem. „Hier ist jeder herzlich willkommen“, sagt Bergmann und wird gleich wieder angesprochen. „Welcher Computer kann denn einen USB-Stick erkennen“, fragt ein junger Mann aus Syrien. Kontakt zuhalten ist für die Flüchtlinge unheimlich wichtig. Dafür stehen im Jugendcafé sieben PCs bereit. „Sie können an den Rechnern aber auch Deutschlernen. Das ist wichtig, damit sie hier so schnell wie möglich integriert werden“, erklärt Bergmann.

Fotos: Günter Plawer

„An jedem Dienstagnachmittag gibt es ein Info-Angebot, damit sie sich hier in Deutschland besser zurecht finden. Vieles ist ja vollkommen unbekannt. Heute ist zum Beispiel ein Versicherungsfachmann zu Gast und erklärt, welche Versicherungen man braucht und vor allem, welche nicht.“

Das Flüchtlingscafé „Glocke for Friends“ wird vor allem durch Spenden finanziert.  Das sind Sachspenden wie Kleider oder Fahrräder oder auch Kollekten, die in den Gottesdiensten gesammelt werden. Was von den Sachspenden nicht gebraucht wird, kommt der Rumänienhilfe zu Gute. „Die Spendenbereitschaft ist groß“, meint Bergmann. „Es muss nur alles an den richtigen Ort kommen. Einmal in der Woche fahren wir dafür mit einem Lieferwagen herum und verteilen die Sachspenden. Manchmal kommt auch mehr als wir erwarten. Als wir im Internet für ein drei Monate altes Baby aus Eritrea einen Kinderwagen suchten, hatten wir auf einmal acht davon hier stehen. Da mussten wir erst mal Kinder für die Kinderwagen suchen“, sagt er augenzwinkernd.

Von Günter Plawer