Kirchenasyl

450 Menschen leben derzeit in Deutschland im Kirchenasyl, so die offizielle Zahl der ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ (Stand September 2015). Das Asyl beruht auf uralten Traditionen weltweit, nach denen Menschen, die Zuflucht in heiligen Stätten suchten, dort nicht weiter verfolgt werden durften. Bis heute ist jemand, dem Asyl in der Kirche gewährt wird, in der Regel vor Verhaftung geschützt.

Viele der derzeit im Kirchenasyl lebenden Menschen unterliegen der so genannten Dublin III-Verordnung. Sie sind über ein anderes europäisches Land nach Deutschland gekommen und können in dieses Ersteinreiseland abgeschoben werden, wo über ihren Asylantrag entschieden werden muss. Erst wenn sie ein halbes Jahr in Deutschland gelebt haben, kann ihr Antrag auch hier bearbeitet werden.

Kirchenasyl zu gewähren kann bedeuten, gegen gesetzliche Bestimmungen zu verstoßen. Deshalb müssen sich die Verantwortlichen der vollen Verantwortung bewusst sein. Ermittlungsverfahren sind laut „Asyl in der Kirche“ allerdings bisher in aller Regel eingestellt worden. Die Kirchenleitungen tragen das Prinzip des Kirchenasyls mit: „Es ist von ihrem Selbstverständnis her Aufgabe der Kirchen, immer dort mahnend einzugreifen, wo Rechte von Menschen verletzt sind und sich eine kirchliche Beistandspflicht (…) ergibt“, heißt es in einem „Gemeinsamen Wort der Kirchen zu den Herausforderungen durch Migration und Flucht“ von 1997.

Sollte an eine Kirchengemeinde die Anfrage für ein Kirchenasyl herangetragen werden, ist eine Beratung darüber dringend zu empfehlen. In der Evangelisch-reformierten Kirche stehen für diese Beratung zur Verfügung:


Wolfgang Wagenfeld, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes

Tel.: 0491 - 91 98 203
E-Mail:

 
Helge Johr, Vizepräsident der Evangelisch-reformierten Kirche

Tel.: 0491 - 91 98 114
E-Mail:

 

www.kirchenasyl.de