Nächstenliebe geht auch durch den Magen

Frühstück, Mittag- und Abendessen, dass sind Zeiten, für die die meisten keinen Plan brauchen. Ganz anders ist das im Gemeindehaus der Neuen Kirche in Nordhorn. Seit November letzten Jahres sind in der benachbarten Turnhalle der ehemaligen Frensdorfer Schule gut 100 Flüchtlinge untergebracht. Es sind alleinreisende junge Männer und sie werden von Frauen und Männer der Nordhorner Kirchengemeinde verpflegt.

Das Frühstück im Gemeindehaus der Neuen Kirche in Nordhorn ist an diesem Morgen reine Männersache. Die Flüchtlinge, die im Gemeindehaus ihr Essen bekommen, sind schon wieder zurück in ihre Notunterkunft gegangen. Fünf Männer arbeiten lachend in der kleinen Küche. Es wird abgewaschen und abgetrocknet. Die Essensreste, die noch weiterverwendet werden können, kommen gut verpackt in große Kühlschränke. Der Rest in den Müll. Alles muss picobello sauber sein, da lassen die Männer nicht mit sich diskutieren. „Wir sind fertig“, rufen Heinz Niederste-Hollenberg und Johann Hölscher zu Simone Kinder, die die Essensausgabe für die Flüchtlinge koordiniert. „Wir gehen jetzt rüber in die Fahrradwerkstatt“, sagen die beiden älteren Männer und sind schon verschwunden. „Die sind wirklich im Unruhestand“, sagt Simone Kinder vom SDN Nordhorn lachend und schaut den beiden hinterher.
„Das war schon eine ganz schöne Herausforderung, als es hieß, 105 Flüchtlinge kommen in die Turnhalle der Frensdorfer Schule“, meint Simone Kinder. „Es stand ziemlich schnell fest, dass wir die Versorgung mit Essen übernehmen. Das Tolle war aber, dass es auch gleich selbstverständlich war, dass die Frauen und Männer aus der Kirchengemeinde uns dabei helfen.“

Das Essen für die Flüchtlinge kommt aus der Küche der ‚Sozialen Dienste Nordhorn’. Wir kochen jeden Tag frisch“, erklärt Simone Kindler, „das kommt vor allem der Qualität zu Gute. Die SDN-Küche versorgt hauptsächlich Schulen, Kindergärten, die eigenen Alten- und Pflegeheime und bietet auch den Service „Essen auf Rädern“ an. „Als es auf einmal hieß, es müssen über 100 Essen zusätzlich gekocht werden, war das schon eine große Herausforderung. Aber die Küche hat das toll gemeistert“, meint Kinder. „Selbstverständlich nehmen wir auch Rücksicht auf die Speisevorschriften der Muslime. Es gibt zwar normales Essen, wie es auch die anderen bekommen. Aber eben kein Schweinefleisch.“

Insgesamt 30 ehrenamtlich mitarbeitende Frauen und Männer sorgen jeden Tag dafür, dass das Mittagessen sowie Frühstück und Abendessen auch zu den hungrigen Gästen kommen. Da steht die Rechtsanwältin neben dem pensionierten Handwerker und der FdJler bei den Hausfrauen. Zu ihrem Dienst gehört nicht nur die Verteilung der Lebensmittel an den Tischen, sondern auch der Abwasch und die Sorge für die richtige Lagerung der Lebensmittelvorräte. Damit alles richtig läuft gibt es Wochenpläne, auf denen sich die Helferinnen und Helfer eintragen. „So wird die Arbeit auf viele Schultern verteilt und niemand wird überfordert. Das ist besonders wichtig.“
Einmal im Monat kommen alle Helferinnen und Helfer zusammen um sich über die Arbeit auszutauschen. Was funktioniert gut, was kann noch verbessert werden? Es sind immer fröhliche Abende, ein Zeichen dafür, dass es allen Spaß macht zu helfen.

Wie lange die Flüchtlinge noch in der Turnhalle untergebracht werden müssen steht noch nicht fest. Jeden Tag können einige in Wohnungen ziehen, dafür kommen auch immer wieder neue. Damit der Kontakt zu denen die wegziehen nicht abreißt, bietet die Gemeinde regelmäßige Klön- und Spielenachmittag an. Und wenn die Worte fehlen, kommen Hände und Füße ins Spiel. Und Kuchen und Kaffee gehen schließlich immer.


Von Günter Plawer